Wie sag ich's meinem Papa?

Auf der Suche nach der Definition des Gravelbikens.

Text & Fotos: Felix Krakow | 28. April 2022

Am Wochenende haben wir meine Eltern besucht. Familienfeier. In einem ruhigen Moment nahm mein Papa mich zur Seite und sprach: „Sohn, ich habe jetzt alle Artikel auf eurer Website gelesen. Ich finde das echt toll. Aber ich verstehe einfach nicht, was dieses Gravelbiken sein soll.“ Sohn hat er natürlich nicht gesagt, aber das verleiht der Geschichte einfach mehr Gravitas. Ist ja auch egal. Jedenfalls referierte ich reflexartig von einer Mischung aus Rennrad und Mountainbike, von dem Verlassen asphaltierter Straßen, von Radfahrten ohne nervenden Straßenverkehr. Mein Papa ist jetzt 81 Jahre alt. Er hat ungefähr 1987 zuletzt auf einem Fahrrad gesessen. Er hatte keine Ahnung, wovon ich rede.

Sohn, ich verstehe einfach nicht, was dieses Gravelbiken sein soll."

Gestern ist mir auf der Heimfahrt mit einem platten Hinterreifen eine ganz andere Definition eingefallen. Eine andere Erklärung dafür, was Gravelbiken eigentlich ist. Und die geht so:

Gravelbiken ist, wenn sich 16 Menschen an einem Mittwochnachmittag um 17 Uhr zum After-Work-Espresso-Ride am Fahrradbüro Café Schranke in der Bonner Südstadt treffen. Eine bunte Melange aus richtig erfahrenen Radsport-Crack:innen und richtig unerfahrenen Anfänger:innen. Wenn sie einen Espresso trinken, klönen und dann gegen 17:30 Uhr zu einer gemeinsamen Tour aufbrechen. Wenn sie ungefähr 40 Kilometer lang durch die Gegend graveln. Und zwar ohne jemanden zurückzulassen oder um die Tagesbestzeit zu fahren. Wenn die ganze Zeit über munter geplappert wird. Außer es geht gerade den steilen Trail im Wald runter, durch den schmalen Bachlauf und auf der anderen Seite steil wieder bergauf. Wenn sie an blühenden Rapsfeldern vorbei in den Sonnenuntergang reiten. Wenn die Gruppe dann zum Après-Ride-Bier an der Bonner Kultkneipe BLA einkehrt. Wenn die Menschen noch eine satte Stunde lang in der Bonner Altstadt stehen, sich in der Frittenbude nebenan eine Portion Pommes Schranke holen. Wenn dann irgendwann alle glücklich nach Hause fahren und einfach einen schönen Feierabend hatten. Genau das ist Gravelbiken!

Und ja: Klönen sagt man hier im Rheinland so.

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