Der Start: Woche 0

Gewicht: 123,8 kg | BMI: 35 | FTP: ? | Tage bis zum Start der Badlands: 300

Nicht von 0 auf 100, sondern von 123 auf unter 100 - und zwar Kilogramm. Das ist Saschas großes Ziel, das er bis zum 4. September 2022 erreichen will. Denn dann startet Badlands, das Unsoppurted Bikepacking Race durch Andalusien. Und jetzt ratet mal, wer sich da angemeldet hat? Wir begleiten Sascha auf seinem Weg nach Spanien und vor allem zurück zu sich. Aber jetzt darf er erstmal selbst von seiner Situation berichten. Sascha, leg los!

„Oh man, was habe ich mir nur dabei gedacht?“ fragte ich mich. Wirklich die Badlands, bin ich noch ganz dicht?

Was war passiert? Naja, wo fange ich da an? Bei der Geburt, in der Kindheit, beim Erwachsenwerden (es gibt übrigens Stimmen, die behaupten, dass dieser Prozess bei mir nie ganz vollendet wurde) Wo also bin ich „falsch abgebogen?“, war die Frage. Ich schätze, so weit in die Vergangenheit muss ich nicht. Starten wir mal im Januar 2019, da bekam ich mein erstes Gravelbike. Wenn man es genau nimmt, war es überhaupt das erste Rad, das ich seit meiner Jugend wieder besessen habe. Damals, als Kind und Jugendlicher, habe ich alle Wege mit dem Rad erledigt, so wie alle meine Freunde. Aber irgendwann war das einfach vorbei. Vielleicht, weil ein Auto auch so seine Vorzüge hatte. Nun jedenfalls hatte ich wieder eines. „Impulsgeber“ war übrigens mein bester Freund Mark, der sich zu dem Zeitpunkt ein neues Rad anschaffte, und so kam ich auf den Geschmack – und fit war ich zu dieser Zeit auch. Ab diesem Moment im Jahr 2019 fuhr ich so ziemlich alles an Strecken, was ich fahren konnte, was auch immer mir in die Quere kam – es fühlte sich super an!

Foto: Dan Zoubek

Mark und ich kennen uns schon seit der fünften Klasse. Wir spielten zusammen Handball, haben in den Schulferien unsere ersten Jobs uff‘m Bau angenommen und haben diverse Partys miteinander gefeiert. Legendäääääär.

Und es war der Sport, der uns immer antrieb und fit hielt. Mit dem Älterwerden änderten sich dann – wie es eben so ist – die „Rahmenbedingungen“. Wir blieben zwar den Baustellen dieser Welt treu, der eine als Ingenieur und der andere als Zimmermann, aber wir hörten mit dem Handballspielen auf. Zumindest Mark hat dem Sport jedoch nie ganz abgeschworen: Badminton, Joggen, Triathlon, Rad fahren - irgendwie hat er immer wieder was gemacht. Ich dagegen hörte komplett damit auf, ich arbeitete und wurde dann auch bald Vater meines kleinen Mädchens.

Inzwischen war es gefühlt so, dass bereits der Anblick von Kalorien in gutem Essen dafür sorgte, dass sich diese an mir festsetzten. Das war kein Problem, solange ich diesen mit Sport zu Leibe rückte. Durch Sport hielt ich immer mehr oder weniger mein Kampfgewicht von knapp 100 kg. Doch ohne Bewegung ging ich auseinander wie ein Hefekloß. Am Ende standen knapp 138 kg auf dem Tacho. Wahnsinn. Ich kürze hier jetzt mal ab, sonst wird es noch ein Roman. Es kam der Moment, das war so 2018/19, da stellte ich meine Ernährung komplett um. Fing wieder mit Sport an - dem Gravelsport. In knapp vier Monaten war ich wieder bei 100 kg! Das zu erreichen, war eine ziemlich harte Nummer und forderte mir viel Disziplin ab. Umso besser fühlte ich mich, als ich dieses Ziel erreicht hatte! Ein geiles Gefühl.

Tja…. Und nun bin ich wieder bei knapp 123 kg angelangt. Der dritte Lockdown, mein neuer Schreibtischjob und auch der große, schwere, fiese innere Schweinehund haben dafür gesorgt, dass ich mich nicht mehr ausreichend bewegt hab. Scheiße, dachte ich. Alles weg und vernichtet. Meine Form war dahin.

Meine persönlichen Schlüsselmomente warteten im Gravel Land Alta Badia und Gravel Land Murcia auf mich: Ich kam keine Steigung über 0,3672 % mehr hoch und alles über 5 km war definitiv zu weit. In Murcia hatte ich dann endgültig den Kanal voll und fällte den Entschluss, wieder richtig anzugreifen und meine alte Form wiederzufinden. Vielleich sogar noch eine bessere. Dafür brauchte ich ein Ziel. Ein ehrgeiziges, aber dennoch erreichbares. Und genau ein solches habe ich für mich festgelegt: Die Badlands 2022. 750 km – 16.000 HM - Wüste und ein Zeitlimit von sechs Tagen. Mein innerer Schweinehund motzt: Toll, jetzt haben wir den Salat! Aber ich freue mich wie ein Honigkuchenpferd.

Damit die Motivation hoch bleibt und um den Schweinehund in Schach zu halten, habe ich mein Vorhaben öffentlich gemacht und möchte euch, wenn ihr wollt, auf diesen Weg mitnehmen. Vielleicht motiviere und ermutige ich damit auch andere. Vielleicht gibt mein Weg anderen auch nur wertvolle Impulse, denn meine Art zu trainieren muss nicht für jeden passen. Aber an der Stelle darf sich jeder, der mag, seine persönlichen Rosinen rauspicken Als ich 2019 mit dem Gravelbiken anfing und die ersten Overnighter machte, habe ich mir alles selbst zusammengesucht. Ich hatte keine Ahnung vom Radsport oder vom Nächtigen in der freien Natur, von der optimalen Ernährung oder dem richtigen Training auf dem Rad. Und überhaupt – welches ist das richtige Rad für mich, welches Zelt oder welcher Biwaksack passt am besten zu mir? Da waren viele Fragen und so manches habe ich einfach ausprobieren müssen.

Hier an dieser Stelle werde ich meine Gedanken, meine Fortschritte, meine Schwächen und Rückschläge mit euch teilen. Das Gravel Collective wird mich dabei begleiten und Antworten auf die Fragen des richtigen Trainings oder der richtigen Übersetzung mit mir finden. Und wenn es sein muss, werden auch Dinge wie „Wo gehe ich unterwegs überhaupt aufs Klo?“ geklärt. Whatever! Wenn ihr wollt, seid dabei! Ich bin sehr gespannt und stelle mich dieser, meiner ganz persönlichen Challenge. Trotz der Portion Respekt freue ich mich drauf!

Also - lassen wir die Spiele beginnen.

#RideOn

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