Text: Kristina Judith | 15.05.2022

Radfahren & Wein! Klingt nach einer perfekten Kombination? Ist es auch. Zumindest bei der ersten Ausgabe des Grape Ride, der am 1. Mai 2022 im Ahrtal stattfand. Kristina Judith ist mit zwei Freundinnen mitgefahren - und hat sich neu ins Ahrtal verliebt.

Traumhaft. Immer noch das erste, was mir einfällt, wenn ich in Ahrtal und Eifel unterwegs bin und die Landschaft sehe. So wie beim Grape Ride, der Eva, Julia und mir einen wunderbaren Tag beschert hat - sowohl auf dem Rad als auch nach dem Ride.

Musik, Grill und natürlich Wein gabe es an der Event-Base an der Martinshütte.

Foto: Jan Holbeck

Aber der Reihe nach. Vor einigen Wochen gab es einen Hinweis auf die Veranstaltung im Newsletter des Radtreff Campus Bonn, meines Rennradvereins. "Klingt super", denke ich. Aber ich will das nicht alleine machen. Also frage ich per Messenger Eva und Julia. Postwendend kommt Julias Antwort: "Ich habe mich schon angemeldet." Genau wie Eva. Sie macht sich allerdings etwas Gedanken: "Ob meine Fitness dafür ausreicht?" Die Sorge teile ich. Schließlich schaffen wir drei meistens nur eine kurze Feierabend-Runde in unserem Heimrevier, dem Siebengebirge bei Bonn. Und auch das weniger regelmäßig, als wir uns das wünschen würden. Aber ich versuche, sie (und mich) zu beruhigen: "Wir haben ja den ganzen Tag Zeit. Und lassen es ruhig angehen."

Bahn & Bike

Also sitzen wir am 1. Mai mit unseren Rädern und ziemlich aufgekratzt in der S-Bahn, die uns von Bonn nach Rheinbach bringt. Dort treffen wir zufällig auf Vicky, die ebenfalls den Grape Ride mitfahren will. Sie fährt von Rheinbach aus mit Jan mit dem Auto weiter zum Startpunkt, während wir mit dem Rad hin wollen. Die erste Herausforderung: Der Weg ist steiler als gedacht.

Erst Gravelbiken, dann Wein trinken? Das lassen sich Julia, Eva und Kristina nicht entgehen.

Foto: Kristina Judith

Aber irgendwann erreichen wir die Start-Location, die Martinshütte bei Kirchsahr. Dort treffen wir auch Vicky wieder, jetzt in Begleitung von Jan, die natürlich schon vor uns eingetroffen sind. Das wird aber das letzte Mal an diesem Tag sein, dass die Sache sorum läuft.

Die Location für Start und Ziel ist grandios gewählt. Schließlich liegt die Hütte auf einem Berg, der einen fantastischen Rundumblick auf die wunderschöne Landschaft ermöglicht. So kann ich es kaum erwarten, zu starten und diese traumhafte Umgebung unter die Räder zu nehmen.

Ziel des Grape Ride

Der Grape Ride will Menschen zusammenbringen, die Spaß am sportlichen Radfahren in schöner Landschaft haben. Er soll aber auch zeigen, dass das Ahrtal und die Eifel nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 immer noch einen Ausflug wert sind.

Von der Flut verschont: Die Wallfahrtskapelle Maria Geburt an der Biebelsley.

Foto: Jan Holbeck

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich vorab auf der Seite des Grape Ride verschiedene Touren herunterladen. Je nachdem, ob sie mit dem Gravelbike, dem Mountainbike oder dem Rennrad fahren wollten. Wir haben uns für die "Easy Gravel" entschieden, eine rund 40 Kilometer lange Gravel-Strecke. Die führt uns durch einige der Orte, die vor fast einem Jahr sehr stark mitgenommen wurden: Altenahr, Insul, Schuld sind nur manche der Namen, die vielen Deutschen vermutlich seither ein Begriff sind.

Von der Flut gezeichnet

Das beschert uns die unterschiedlichsten Eindrücke: eine spektakulär schöne, idyllische Landschaft, aber auch Orte, die nach wie vor stark gezeichnet sind. Manche Häuser sind bereits komplett wieder hergestellt oder sogar neu gebaut. Manchmal steht aber direkt neben einem noch sehr frisch wieder hergerichteten Haus eins, das immer noch völlig unbewohnbar aussieht. "Das ist immer noch schwer vorstellbar, dass dieses kleine Flüsschen so eine Zerstörungskraft entfaltet hat", sagt Eva.

Kristina hat die Strecke auf ihrem geliebten Salsa Cutthroat unter die Räder genommen.

Foto: Julia Rohling

Manche Brücken über die Ahr wirken auch noch etwas abenteuerlich: ganz ohne Geländer oder nur mit einem Bauzaun vor dem verbogenen oder geborstenen alten Geländer. An einer Brücke, die ziemlich provisorisch wirkt, hängt ein Pappschild. Darauf ist handschriftlich vermerkt, welches Höchstgewicht die Brücke aushält. Nicht ganz so vertrauenerweckend, finde ich. Aber die Bewohnerinnen und Bewohner der Region befahren diese Brücken ja nun schon eine ganze Weile mit ihren Autos. Mein Respekt vor dem Mut und Durchhaltewillen der Ahrtaler und Eifeler wächst mit jeder Pedalumdrehung. 

Auf Schotter und Asphalt geht es beim Grape Ride zur Sache.

Foto: Julia Rohling

Hoch über der Ahr bietet sich ein toller Blick in die Eifel.

Foto: Jan Holbeck

Verschiedene Wege führen ans Ziel. Aber ob Vicky hier wirklich den Schnellsten wählt?

Foto: Jan Holbeck

Bemerkenswert finden wir aber ohnehin, wie offen die Bewohnerinnen und Bewohner auf die Besucher reagieren. Wenn wir die Route nicht finden oder unvermittelt vor einer Sperrung stehen, finden wir immer Passanten, die uns bereitwillig weiterhelfen. Oder die auch einfach nur freundlich grüßen, wenn wir an ihnen vorbeiradeln. Das erleben wir daheim auch schon mal anders. "Die Leute sind so unglaublich nett", fasst Julia zusammen. So fühlen wir uns tatsächlich als Touristinnen wieder sehr willkommen.

Jan Holbeck liebt Gravel-Touren im Ahrtal und um das Ahrtal herum.

Foto: Felix Krakow

Die Ahreifel bietet einfach soviel. So viele schöne Aussichten, Natur, tolle Menschen. Und gerade die vermissen das, was an der Ahr normal war: nämlich Touristen!"

Jan Holbeck

The Gravel Club Rheinland

Erhöhter Schwierigkeitsgrad unterwegs

Um die lokalen Winzer zu unterstützen, haben sich die Organisatoren des Grape Ride ein bisschen was einfallen lassen. Während der Fahrt sind in Form einer Rallye einige Aufgaben zu erfüllen. In Altenahr bedeutet das, sich beim Weingut Sermann in der erst Ende April wieder eröffneten Kellerei eine Flasche Wein abzuholen. Zur Wahl stehen unter anderem Grauburgunder, Rosé und Blanc de Noir. Die Flaschen sollen uns nun die ganze restliche Tour begleiten und am Ziel unversehrt ankommen. Gut, wenn man an Packtaschen gedacht hat. Als wir schon dabei sind, unseren Wein zu verstauen und uns wieder in den Sattel schwingen wollen, treffen Vicky und Jan ein - und wundern sich ziemlich. "Wie habt ihr das gemacht?" fragt Jan. "Ihr seid doch nach uns an der Hütte gestartet." Wir können es uns auch nicht erklären. Haben wir irgendwo eine falsche Abzweigung gewählt?

Nicht zum Trinken gedacht: Eine Aufgabe war es, Wasser aus der Ahr zum Ziel zu bringen. 

Foto: Julia Rohling

Die Lenkertasche ist vielleicht nicht die beste Variante, die Weinflasche zu transportieren. 

Foto: Julia Rohling

Speis und Trank

Beim Weingut gibt es auch die Gelegenheit, die Weine direkt zu verkosten - entweder in der Halle vor Holzfässern und Edelstahltanks oder draußen in der Sonne in Liegestühlen. "Sollen wir?", fragt Eva. Aber wir haben noch ein paar Kilometer vor uns und verschieben die Weinverkostung lieber auf später. Man munkelt, dass sich andere Radelnde anders entschieden haben... und vielleicht auch deshalb erst später bei den nächsten Stationen eingetroffen sind.

In Insul wartet eine Aufgabe, auf die sich die hungrigen Radelnden vermutlich inzwischen am meisten freuen: Am Landgasthaus Keuler locken die selbstgebackenen Kuchen und Torten von Betreiberin Mareike. Für Julia ist die Sache klar: "Ich nehme Stachelbeer-Sahne." Ich bin unschlüssig: Erdbeerboden oder lieber Himbeer-Sahne mit eingebackenen Windbeuteln? "Alleine der Kuchen ist noch mal einen Besuch wert", findet Eva.

Ein Gläschen in Ehren ...

Foto: Jan Holbeck

... oder doch lieber feste Energie?

Foto: Kristina Judith

Wie einst Hase und Igel

Als wir fast fertig sind, treffen Vicky und Jan ein - und wundern sich ziemlich, dass wir schon wieder vor ihnen da sind. "Ernsthaft: Wie macht ihr das?" fragt Vicky uns. Keine Zeit für Erklärungen. Wir müssen weiter. Zumal wir es auch nicht erklären könnten.

Der Kalorienschub hilft jedenfalls enorm auf der weiteren Tour. Ging es vom Start an erst einmal mehr oder weniger nur bergab, kommt jetzt die Rechnung: Die Höhenmeter warten fast alle auf der zweiten Hälfte des Rides. Ich bin mir sicher: Spätestens auf diesem Abschnitt werden Jan und Vicky schneller sein als wir. 

Das nach wie vor von den Folgen der Flut gezeichnete Ahrtal bietet tolle Schotter-Strecken.

Foto: Jan Holbeck

Aussichten, Anstiege und Abenteuer

Wunderbare Aussichten über Berge und Täler entschädigen für die folgenden teils knackigen Anstiege. "Das ist so schön hier", jubelt Julia. 

Und ein paar kleine Abenteuer hält der Tag auch bereit. An einem Punkt fehlt eine Brücke über einen Bach. Wir müssen versuchen, die Furt zu queren, ohne uns nasse Füße zu holen. Das funktioniert auch - zumindest weitgehend. 

Bei einer Abfahrt ist Eva ungewohnt langsam. "Ich muss ständig bremsen. Die Weinflasche kommt mir bei jeder Unebenheit entgegen", erklärt sie. 

"Jetzt bloß keine nassen Füße kriegen, Eva!"

Foto: Julia Rohling

Schade. Schon vorbei.

Wieder zurück an der Martinshütte sind wir fast ein bisschen enttäuscht, dass die Tour schon beendet ist. Aber das Grillbuffet, chillige Sounds vom DJ und kühler Ahr-Weißwein in der Sonne entschädigen uns auch dafür. Ein perfekter Ausklang für einen fantastischen Tag. 

Passend dazu trudeln auch Jan und Vicky wieder mal nach uns ein. Aber dieses Mal finden sie auch direkt die Erklärung: "Ihr seid die kurze Tour gefahren, oder?", fragt Vicky. Klar, die beiden haben sich eine längere und anspruchsvollere Variante ausgesucht. Hätten wir auch schon eher drauf kommen können. Aber lustig war's auch so. 

Und wir sind uns sicher: Wenn der Grape Ride im kommenden Jahr wieder stattfindet, sind wir auf jeden Fall wieder dabei. Aber um das Ahrtal zu besuchen, werden wir nicht so lange warten. Wir haben direkt die nächsten Ausflüge in die Region geplant, manche mit, manche aber auch ohne Rad. So oder so: Die Gegend ist immer einen Besuch wert.

Unterwegs sind immer wieder Spuren der Flut zu sehe. Größtenteils sieht die Landschaft aber sehr idyllisch aus.

Foto: Jan Holbeck

Beim Grape Ride geht es um Radfahren und Wein. Das Finisher-Getränk im Ziel ist also geradezu Pflicht. 

Foto: Eva Wittiber

Das Wichtigste in Kürze

Event: Grape Ride 

Organisation: Crankblack 

Location: Ahrtal, Eifel

Streckenlängen: ca. 40-80 Km, je nach Rad und ausgewählter Strecke 

Datum: Erstausgabe 1. Mai 2022, weitere Termine sollen folgen

Die Tour auf komoot

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Das Wichtigste in Kürze

Event: Grape Ride 

Organisation: Crankblack 

Location: Ahrtal, Eifel

Streckenlängen: ca. 40-80 Km, je nach Rad und ausgewählter Strecke 

Datum: Erstausgabe 1. Mai 2022, weitere Termine sollen folgen

Die Tour auf komoot

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