Keine Frage: Technisch ausgefeilte Hightech-Gravelbikes haben ihren ganz besonderen Reiz. Die einen sind superleicht, die anderen ausgesprochen komfortabel und wieder andere vielleicht ganz besonders individuelle Einzelstücke. Was sie aber ziemlich wahrscheinlich alle gemeinsam haben: Sie sind teuer. Aber brauchen wir das wirklich? Oder reicht nicht zumindest den allermeisten Gravelbikerinnen und Gravelbikern einfach ein solides, zuverlässiges und vielseitiges Fahrrad für ihre Touren über Straße, Schotter und mehr?

Text: Felix Krakow | Fotos: Tom Schlegel | 17.03.2022

Der Song zum Bike: Wu-Tang Clan - Gravel Pit

Womit wir auch schon beim Protagonisten dieser Geschichte wären: dem Gravel Pit der überregional eher weniger bekannten Marke Drössiger aus dem Westen Nordrhein-Westfalens. Wir durften das Bike eine Woche lang durch den Süden Spaniens scheuchen und sind schon alleine des Namens wegen ziemlich begeistert. Denn einfacher fiel die Suche nach dem Song zum Bike nie. („Back, back and forth and forth.“)

Die Ausstattung

Okay. Jetzt aber zur Sache und ab aufs Rad. Wir durften das Gravel Pit in einer Ausstattung mit Shimanos GRX-Schaltgruppe in 1x11-Variante und 28-Zoll-Laufrädern mit Mavic-Felgen zum Schottertanz bitten. Da die Konfiguration so ab Werk nicht erhältlich ist, konzentrieren wir uns hier vor allem auf das Rahmenset selbst. Das kam übrigens in der Farbgebung „Telemagenta“ für den Rahmen und „Cyan“ sowie „Hot Green“ für die Design-Elemente. Just so you know.

Das Setup

Die komplette Ausstattung des Drössiger Gravel Pit im Überblick

RahmenDrössiger G-SLT Aluminium
GabelDrössiger G-CST Gravel Carbon
SchaltgruppeShimano GRX 1x11
Übersetzung40x11-42
FelgenMavic XC 621
ReifenPanaracer Gravelking EXT+ Terra Trail 700x38C
VorbauRitchey Comp 4-Axis

Lenker

Ritchey Comp ErgoMax Gravel Riser, 42 cm, 12° Flare
SattelstützeRitchey Comp
SattelSelle Italia SL

Welche Farbe darf es denn sein? Bei Drössiger haben die Graveller:innen die freie Wahl.

DER TEST-RIDE

Treue Leser:innen wissen: Wir sind ziemlich gerne im Süden unterwegs. So haben wir auch das Drössiger Gravel Pit im Rahmen des Gravel Collective Test Camps unter der Sonne Murcias ausgeführt. Dabei haben mehrere Testfahrer das Bike eine Woche lang auf maximal abwechslungsreichem Terrain bewegt. Von traumhaften Asphaltstraßen und perfekten Schotterwegen auf der einen Seite bis zu ausgetrockneten Bachläufen mit tiefem Sand und steinigen Singletrails auf der anderen Seite war alles dabei.

UNSER EINDRUCK

Bei unseren Fahrten legte das Gravelbike aus NRW ein durchaus agiles Handling an den Tag, was sich auf die kurze Kettenstrebe, den steilen Lenkwinkel und den insgesamt eher kurzen Radstand zurückführen lässt. Trotzdem attestiert unsere Test-Crew dem Bike eine ordentliche Laufruhe und vor allem guten Komfort. Oder um es mit Marcs Worten zu sagen: „Das Teil fährt sich einfach super angenehm.“ Dabei wird die theoretisch rechts sportlich gestreckte Geometrie des Rahmens durch den hohen Vorbau und den etwas nach oben gezogenen Lenker ausgeglichen aus. Für dämpfenden Flex im Heck sorgen unter anderem die tief ansetzenden Sitzstreben, während der abgeflachte Oberlenker bei der Crew auf unterschiedliche Resonanz traf. Die einen freuten sich über das Griffgefühl, die anderen mochten es nicht. Womit sich einmal mehr zeigt, wie wichtig am Ende das individuelle Gefühl bei der Wahl des passenden Gravelbikes oder auch anderer Fahrräder ist.

Einfache Alternative: Statt Shimanos GRX-Kurbel dreht sich im Gravel Pit Tretlager die Alba von Praxis Works mit ihren 40 Zähnen.

Hinten alles schicki: Shimanos hochwertiges GRX812 Schaltwerk lässt die Kette sauber über die elf Ritzel der Kassette gleiten.

Solides Cockpit: Der nach oben gezogene Lenker mit moderat ausgestelltem Unterlenker liegt gut in der Hand.

Eher auf der zurückhaltenden Seite präsentiert sich das Gravel Pit im Vortrieb, was vor allem dem etwas höheren Gewicht geschuldet ist. Unser Test-Bike bringt genau 10 Kilogramm auf die Waage und liegt damit 0,6 Kilogramm über dem Schnitt der bislang von uns getesteten Bikes. Wobei sich an unserem wie erwähnt nicht serienmäßig ausgestatteten Modell durchaus noch einige Pfunde abtrainieren ließen, etwa an den Laufrädern oder den Anbauteilen. Die Gravelking EXT Plus Reifen aus dem Hause Panaracer funktionieren gut, überzeugen sowohl auf Asphalt mit gutem Rollverhalten als auch im „Dreck“ mit ordentlichem Grip. In schnellen Schotter-Kurven allerdings wirkten sie unserer Test-Crew ein wenig rutschig. Die am Testrad verbauten 28-Zoll-Pneus sind 38 Millimeter breit. Viel mehr erlaubt der Rahmen zumindest am Heck auch nicht. Wer allerdings auf kleinere 650b-Laufräder setzt, darf sich in der Reifenbreite in die 50-Millimeter-Region orientieren.

Da geht noch was: Die Carbongabel des Gravel Pit lässt Platz für breite Pneus ...

... am Heck bleibt weniger Luft. Mit kleineren 650b-Laufrädern sind allerdings 50 mm drin.

In Oberrohr und Gabel verschwinden Züge und Leitungen, ganz "unsichtbar" sind sie jedoch nicht.

DER EINSATZZWECK

Wer sich das Gravel Pit genau anguckt erkennt schnell, wo die Reise mit diesem Bike hingeht. Oder besser gesagt: Wo sie hingehen kann. Weit weg nämlich. Das Rahmen-Gabel-Set verfügt über zahlreiche Anschraubpunkte im Rahmendreieck, auf dem Oberrohr, unter dem Unterrohr, im Heck und vorne an der Gabel. So lassen sich etwa problemlos Schutzbleche und Gepäckträger für die Fahrt zur Arbeit montieren – oder für den Bikepacking-Trip nach „soweit mich die Reifen tragen“.

Die Daten

Alle Daten zum Drössiger Gravel Pit.

MarkeDrössiger
Modell

Gravel Pit

Modelljahr2022

Gewicht

10 kg
Preis:1.999 Euro

"Gravelamos a la playa!" Das Gravel Pit im Schotter-Einsatz unter der Sonne Spaniens.

Wo das Auge hinfällt bietet das Gravel Pit Montagepunkte, so auch unter dem Unterrohr Richtung Tretlager.

Die eigentlich recht beliebten Panaracer-Gummis Gravelking Ext+ konnten nicht alle Tester für sich gewinnen.

Blickfang: Der Aluminium-Rahmen bietet an einigen Stellen auffällige und auch praktische Lösungen, so auch an der linken Kettenstrebe.

Das Fazit

Was den Testern am Drössiger Gravel Pit gut gefallen hat und was eher nicht? Hier verraten wir es euch.

Das fanden wir toll:

+ individuelle Farbwahl
+ vielseitiger Einsatzbereich
+ viele Montagepunkte
+ fairer Preis

Das fanden wir nicht so toll:

- eher auf der schweren Seite
- Reifen dürften auf Schotter etwas mehr Grip bieten

Mit dem Gravel Pit stellt Drössiger ein zuverlässiges, vielseitiges und individuell lackierbares Gravelbike auf die Laufräder, das zum fairen Preis so ziemlich alles mitmacht. Egal ob es um die ausgedehnte Feierabendrunde, den Overnighter am Wochenende oder epische Abenteuer mit Zelt, Schlafsack und mehr geht: das Gravel Pit ist dabei. Dank der vielen Anschraubpunkte lässt es sich auch problemlos in einen flotten Commuter für den Weg zur Arbeit verwandeln. Nur ein reinrassiger Racer möchte das Bike, schon mit Blick auf sein Gewicht, eher nicht sein.

Die Geometrie

für Rahmengröße M

A) Oberrohr
556 mm
B) Sitzrohr530 mm
C) Steuerrohr140 mm
D) Stack554 mm
E) Reach

387 mm

F) Sitzwinkel

73°
G) Lenkwinkel72°
H) Radstand1003 mm
I) Kettenstrebe410 mm
K) Tretlagerabsenkung70 mm


Zur Website des Herstellers

Noch mehr Informationen zum Drössiger Gravel Pit gibt es auf der Website des Herstellers. Hier könnt ihr das Bike auch direkt kaufen.

Mit offenen Karten

Ganz klar: Ohne Support auch aus der Fahrradbranche können wir die Idee des Gravel Collectives nicht leben. Aber uns ist es wichtig, euch darüber zu informieren, wo und wie wir unterstützt werden. Wir spielen mit offenen Karten.

Konkret hat uns Drössiger für diesen Artikel das Testbike kostenfrei für den Testzeitraum überlassen und sich finanziell am Fotohonorar beteiligt. Auf die Inhalte und Abläufe hatte Drössiger keinerlei Einfluss.


Viele Gesichter: Das Drössiger Gravel Pit gibt es nicht nur in ziemlich vielen Farben, es zeigt sich im Schotter-Check auch als ziemlich vielseitiges Fahrzeug.

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