Kurz gescheckt: Dynaplug Air

Die einfachste Art Löcher zu stopfen? Wir haben den kleinen Pannenhelfer aus den USA ausprobiert.

Text & Fotos: Felix Niebhagen | 24.12.2021

Schlauchst du noch oder Dichtmilchst du schon? Immer mehr Anhänger:innen des Gravelbike-Glaubens rollen auf schlauchlosen Reifen daher. Doch was, wenn das als so pannensicher angepriesene Setup doch mal versagt? Dann sind schnelle Pannenhelfer wie das Dynaplug Air gefragt. Wir haben das Teil aus den USA ausprobiert.

Für mich ist die Sache klar: Tubeless fahren bietet viele Vorteile, gerade auf dem Gravelbike. Hoher Komfort durch niedrigere Reifendrücke und ein gewisser Pannenschutz durch die Kraft der Dichtmilch haben mich persönlich schnell überzeugt. Nur eine Sache hat mich an dem Thema immer gestört. Es ist wirklich nicht unbedingt einfach diese Tubless Flicken in Form sehr, sehr kleiner Trocken-Salamis in etwas größere Schäden hineinzudrücken. Mit viel Gefummel funktioniert es meist irgendwie irgendwann, aber schön ist anders. Ganz speziell im Winter, wenn dabei die Hände schnell auskühlen. Und dann folgt noch das mühsame Aufpumpen des platten Reifens.

Da kam die Chance, ein ganz spezielles Reparaturset für das Gravel Collective zu testen, wie gerufen: Das Dynaplug Air. Ein System, dass die Reparatur defekter Tubeless-Reifen enorm erleichtern soll. Einfach reindrücken, direkt über das Dynaplug-Tool bequem per CO2-Kartusche aufpumpen und fertig. Aber funktioniert es in der Realität wirklich so einfach und problemlos? Wollen wir doch mal sehen.

Der erste Eindruck

Ich muss schon sagen, dass ich auf Anhieb von der Qualität des Dynaplug Air begeistert war. Das System fühlt sich sehr wertig und stabil an. Auch der Aufbau ist denkbar simpel. Du musst lediglich das Airplug Tool mit einem Plug bestücken, so nennt Dynaplug seine speziellen Flicken. Dann schraubst du am anderen Ende des Tools die CO2-Kartusche an. Praktisch: So fungiert die Kartusche gleich auch als Griff.

So. Jetzt mit dem Gravelbike raus Richtung Sächsische Schweiz und warten, bis Kollege Pannenteufel zuschlägt? Lieber nicht. Bevor ich nachher im Nirvana feststelle, dass ich mit dem System doch nicht so gut zurechtkomme, probiere ich es lieber erstmal zuhause aus. Bloß: Wie komme ich jetzt an einen defekten Reifen? Einfache Antwort: Alles muss man selbst machen. Also her mit der Werkzeugkiste und erstmal ein großes Lob an Continental aussprechen. Denn einfach nur mit Schrauben und Nägeln ist es mir selbst mit vollem Einsatz nicht gelungen, den Terra Trail Reifen ernsthaft zu beschädigen. Ich musste dem Pneu tatsächlich mit der Bohrmaschine zusetzen.

Die Reparatur

Als das Loch erstmal drin war, ging tatsächlich alles ganz schnell. Den Bohrer aus dem Reifen ziehen und das mit dem Plug bestückte Airplug Tool bis zum Anschlag durch das Loch drücken. Dank seiner kleinen Metallspitze lässt sich der Plug einfach platzieren und hat kaum eine Chance wieder rauszurutschen. Danach einfach die CO2-Kartusche aufdrehen und den Reifen bis zum gewünschten Druck aufpumpen. Jetzt das Tool rausziehen und schon steckt nur noch der Plug im Loch und dichtet dieses im Zusammenspiel mit der Dichtmilch sofort und effektiv ab. Den Überschuss vom Flicken dann einfach mit dem Messer, zum Beispiel vom Multitool, kürzen. Fertig!

Dynaplug Air Kit mit Verlängerung

So geht das

Das Dynaplug Air im Einsatz.

Loch bohren, ...

reinstecken, aufpumpen, ...

rausziehen, ...

abschneiden, fertig!

Im echten Leben

Das Dynaplug Air als flinker Pannenhelfer während der Tour.

Natürlich wollten wir auch wissen, wie sich das System von Dynaplug draußen im wahren Gravelbike Leben schlägt. Sascha hat mittlerweile viele Rides mit dem Tool im Gepäck absolviert und es auch schon fleißig genutzt. "Die meisten Plugs stecken allerdings in fremden Reifen", verrät er und lässt schöne Grüße an René aka @kocmonaut ausrichten.

Doch egal ob am eigenen oder am Freundes-Pneu, auch Sascha ist überzeugt von dem System. "So schnell und einfach habe ich nie zuvor ein Loch dauerhaft gestopft", sagt er. Vorbei die ewige Fummelei mit den Tubeless-Würsten und "diesem Zweizack", die ihn regelmäßig zur Verzweiflung getrieben haben. Unfassbar praktisch ist auch, dass sich der Reifen des Gravelbikes in nur einem Arbeitsschritt flicken und aufpumpen lässt - zumindest bei der Airkit Variante. Allerdings: ganz billig ist der Spaß nicht.

Das hat uns gefallen ...

+ einfache und schnelle Handhabung

+ geringes Gewicht

+ verschiedene Ausführungen und Plugs für unterschiedliche Löcher erhältlich

+ Metallspitze des Plugs verhindert späteres Rausrutschen

        ... und das nicht so sehr

        - Der hohe Preis. Nach Liste werden für die getestete Variante des Dynaplug Air satte 77,90 Euro fällig. Dazu kommen nochmal je etwa 2 Euro pro zusätzlichem Plug und CO2-Kartusche.

        - CO2-Kartusche als Wegwerfprodukt wenig nachhaltig

            Felix' Fazit: "Ich bin von der einfachen Handhabung begeistert. Das spart wirklich Zeit und vor allem Nerven, nicht nur im Winter. Für mich darf das Dynaplug Air bei keiner Ausfahrt mehr zuhause bleiben."

            Über Felix: "Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!" Wenn unser Doktor aus Dresden dabei ist, fühlen wir uns auf unseren Gravel-Rides gleich viel sicherer. Und das auch, weil Felix irgendwie immer noch einen kleinen Energiehappen aus seinem magischen Beutelchen am Lenker zaubert. Seine Einstiegsdroge in die Welt des Schotters war ein Fuji Jari 1.5. Seit diesem Jahr ist er auf einem Standert Erdgeschoss unterwegs. Ach ja: Wenn Felix nicht gerade im Krankenhaus arbeitet, plant er bestimmt gerade wieder eine schöne, neue Tour für den Gravel Club Dresden.

            Folgt Felix auf Instagram.

            Foto: Robert Krügel

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