Dauertest: Schwalbe G-One Bite Evo

Wie lange hält der griffige Gravel-Reifen durch?

Text & Fotos: Jan Holbeck | 24.12.2021

Kleine Tuning-Maßnahme mit großem Effekt: Für den Gravel Collective Dauertest hat unser Collectivista Jan Holbeck die Gummis an seinem Canyon Grail AL getauscht. Seit dem Frühjahr ist er jetzt auf dem Schwalbe G-One Bite Evo unterwegs. Hier berichtet er von seinen Erkenntnissen.

Die alten Schwalbe G-One Bite Performance runter, die neuen G-One Bite Evo drauf und ich stelle fest: Die Optik meines Gravelbikes verändet sich nur durch die andersfarbige Seitenwand. Meine ab Werk auf dem Canyon Grail AL montierten Reifen hatten Tanwalls, die neuen Gummis kommen mit schwarzer Flanke. Ansonsten unterscheiden sich die Reifen optisch fast nicht. Ist ja auch kein Wunder, schließlich sind es die inneren Werte, die den G-One Evo von seinem kleinen Bruder unterscheiden.

Ich verpasse meinem Bike die 40-622er-Version, denn 40 Millimeter sind für mich die ideale Reifenbreite für ein Gravelbike: Flott auf der Straße, vielseitig auf Schotter. Wer mag, bekommt den G-One für 28 Zoll auch in 50 Millimeter Breite, Mit kleineren 27,5er-Laufrädern liegt das Limit bei 54 Millimetern.

Die Montage

Der Schwalbe G-One Bite Evo flutscht geradezu in die Felgenflanken. Ein bisschen Spüliwasser sorgt für den guten und geraden Sitz. Eine Korrektur ist nicht nötig. Das Aufziehen erledigt sich leicht und ohne Reifenwerkzeug. Sprich: Auf die DT Swiss C1850 Spline Felgen konnte ich die neuen Gummis ohne Reifenheber problemlos mit den Händen aufziehen.

Wie schon den Vorgänger fahre ich auch die neuen Reifen mit Schlauch mit 2,8 bar Druck. Geht es ordentlich beladen auf die Langstrecke, erhöhe ich den Druck auf 3,5 bar.

Vorher: Schwalbes G-One Bite Performance mit Tanwall war ab Werk an Jans Canyon Grail AL montiert.

Nachher: Außer der andersfarbigen Seitenwand lässt sich der G-One Bite Evo optisch kaum von seinem Bruder unterscheiden.

Die erste Fahrt

Wie Sie hören, hören Sie nichts: Mir fällt sofort angenehm auf, wie leise der G-One Evo rollt. Auch wenn schon die “älteren“ G-One nur leise geschnurrt haben: Die neuen Reifen sind fast nicht mehr zu hören. Addix Speedgrip nennt Schwalbe das Geheimnis. Eine besondere Gummimischung, die leicht rollen und doch viel Grip bieten soll.

Im Einsatz werden diese Versprechen voll erfüllt. Egal ob auf Asphalt oder Schotter: Im Geradeauslauf gewinne ich schnell an Geschwindigkeit. Ich habe kein Gefühl des “Klebens“ oder eines spürbaren Rollwiderstands.

Im Gelände erlebe ich sehr gute Traktion, auch bei Kurvenfahrten in ruppigen Terrain ist dies deutlich spürbar. Im Schlamm habe ich den Eindruck, dass der G-One Bite Evo noch einen Tick besser packt und weniger schnell durchrutscht als der Performance. Doch auch hier ist bei tiefen, moderigen Untergründen im Anstieg irgendwann im Wortsinn "Ende Gelände". Und doch empfinde ich einen subjektiv besseren Grip als bei mir bekannten Reifen anderer Hersteller.

Bereit für die große Fahrt: Mit den neuen Reifen gravelt Jan im Frühjahr fünf Tage lang durch die Eifel.

Update: 800 Kilometer

19.6.2021

Zur richtigen Feuertaufe jedoch entführe ich die neuen Reifen gleich auf meinen Höhepunkt des Jahres: Eine Bikepacking-Tour durch die Eifel. Fünf Tage lang sind mein Kumpel Tobi und ich unterwegs, legen dabei gut 550 Kilometer und 8.900 Höhenmeter zurück. Doch nicht nur die Strecke quer durch das Mittelgebirge verlangt den Reifen einiges ab. Sie müssen auch ein gewisses Gewicht ertragen. Mein voll beladenes Gravelbike wiegt rund 18 Kilogramm, mit mir im Sattel lastet ein Systemgewicht von etwa 98 Kilogramm auf den Stollen.

Mit diesem Setup geht es Ende Mai los auf unsere Tour. In diesem Terrain darf der G-One auf so ziemlich jedem denkbaren Untergrund zeigen, was er drauf hat. Es geht über Wald-, Forst- und Feldwege, über Wiesen, feinen Schotter, groben Schotter, Asphalt, Kopfsteinpflaster, Kies, Schiefer und Geröll. Und um noch eins draufzusetzen, hat es vor dem Start unseres Heimat-Abenteuers auch noch ordentlich und anhaltend geregnet. Besonders in der Vor- und Nordeifel freuen wir uns entsprechend über schön schlammige Passagen.

Fahreindruck

All das macht der Schwalbe G-One Bite Evo ziemlich problemlos mit. Er bestätigt auf der Langstrecke die ersten Fahreindrücke voll und ganz. Bergab lässt er mich in einigen Abschnitten fast vergessen, dass ich Zusatzgewicht am Rad mitschleppe. Der Reifen fühlt sich super an.

Die alles in allem bis hierher rund 800 Kilometer rollt der Reifen ohne Defekte. Das Profil mit seinen runden Stollen setzt sich nicht zu und auch die Gummimischung weist trotz der teils scharfkantigen Untergründe keine Risse, Schnitte oder herausgebrochenen Stollen auf. Nur am Profil auf der Lauffläche haben die Touren durch die Eifel Spuren hinterlassen. Speziell der Hinterreifen ist bereits deutlich abgefahren.

Gut sichtbar: Nach rund 800 Kilometern Laufleistung weist das Profil des G-One Bite Evo auf der Lauffläche erste Abnutzungserscheinungen auf.

Update: 2.100 Kilometer

8.12.2021

Langsam neigt sich das Jahr dem Ende zu. Seit mehr als sechs Monaten begleitet mich der G-One Bite Evo an meinem Gravel jetzt schon. Knapp 2.100 Kilometer scheuche ich den Reifen jetzt über Stock und Stein, durch Schlamm und Sand, Waldboden … über eigentlich alles, was Gravelbiker:innen Spaß macht.

Als letzter Saisonhöhepunkt steht der Fluthilfe Charity Ride mit Christian Knees am 31.10.2021 in Rheinbach auf dem Programm. Mit der eigentlich fürs Rennrad gedachten Tour werden Spenden für die Opfer der Flutkatastrophe gesammelt, die Eifel und Ahrtal im Sommer heimgesucht hat – nur wenige Wochen, nachdem Tobi und ich mit unseren Gravelbikes dort unterwegs waren. Beim Charity Ride bin ich einer der wenigen Radsportler, die sich mit dem Gravelbike auf den Rundkurs durch die Eifel machen. Tatsächlich führt die 75 Kilometer lange Strecke komplett über Asphalt unterschiedlichster Ausprägung. Doch auch hier lässt mich der G-One Bite Evo nicht hängen. Ich halte gut mit. Überhaupt macht der Reifen nach wie vor einen tollen Job. Auch wenn er mittlerweile deutlich Gummi gelassen hat. Doch trotz der Verschleißerscheinungen der Karkasse bietet er immer noch genug Grip für schöne und sichere Touren.

Eine Ausmusterung des Schwalbe G-One Bite Evo strebe ich daher auch nach 2.100 Kilometern Laufleistung erst mal noch nicht an. Allerdings habe ich Hinter- und Vorderreifen einmal gegeneinander getauscht. Schließlich war der Hinterreifen deutlich abgefahrener als der Vorderreifen. Auf meinem Randonneur macht der Pneu jetzt die letzten Meter. Mein Gravelbike zum Pendeln zur Arbeit ist in Vollausstattung mit einer Seitentasche bestückt und führt mich speziell auf dem Heimweg des Öfteren auf kleine Umwege über ruppiges Geläuf. Da kann der Reifen dann zum Abschluss noch mal zeigen, was er im Winter so drauf hat. Übrigens: Eine Panne hatte ich mit dem Reifen bis heute nicht. Das hat bereits dazu geführt, dass ich auf einer Tour meinen Ersatzschlauch schlicht daheim vergessen habe.

Die Daten

Der Schwalbe G-One Bite Evo im Detail

HerstellerSchwalbe
BezeichnungG-One Bite Evolution
Größen40-622, 45-622, 50-622 | 50-584, 54-584
Gewicht*ab 480 Gramm
TypFaltreifen
Tubeless-fähigJa, TLE
GummimischungAddix Speedgrip

Karkasse

Super Ground
Traglast100 Kilogramm
FarbeSchwarz
Preis59,90 Euro

*Herstellerangabe


Das hat uns gefallen ...

+ leichte Montage

+ hohe Pannensicherheit

+ gutes Rollverhalten

+ viel Grip in (beinahe) allen Gravel-Lebenslagen 

... und das nicht so sehr

- vergleichsweise teuer

Jans Fazit: „Schwalbes G-One Bite Evo erfüllt meine Ansprüche an einen Gravel-Reifen voll und ganz. Er bietet eine sehr gute Traktion, genug Grip in den Kurven und vor allem ist er sehr pannensicher. Nach fast 2.100 Kilometern hatte ich keinen einzigen Defekt – und das, obwohl ich die ganze Zeit über mit Schlauch unterwegs war.“

Über Jan: Der Mann aus dem Rheinland ist von Haus aus eigentlich Mountainbiker. Auf der Suche nach einer schnellen und vielseitigen Lösung für die gut 20 Kilometer zur Arbeit verguckte er sich jedoch in ein Gravelbike: Das Canyon Grail AL. Bald folgte das vollausgestattete Cube Nuroad Pro FE als Pendlerbike, während das Canyon Grail AL mehr und mehr für den eher sportlichen Einsatz am Wochenende eingesetzt wurde, dann geriet Jan in die Fänge des Gravel Collectives und ist seitdem komplett verloren. Mittlerweile verantwortet er gemeinsam mit Marc den Gravel Club Rheinland und bietet dabei regelmäßig spannende und mit Leidenschaft gescoutete Touren an. Für die Saison 2022 ist er zudem ganz frisch auf das Focus Atlas 6.8 umgestiegen.

Folgt Jan auf Instagram.

Foto: Dan Zoubek

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